Was ist eigentlich Atheismus?

Offensichtlich wird hier immer einiges verwechselt. Gerade in einem Artikel einen Kommentar gelesen, der meint Atheismus wäre der Glaube an die Nichtexistenz Gottes.

Das ist falsch. Per Definition und da reihe ich mich auch ein ist Atheismus die Ablehnung des Glaubens an sich. Ich glaube nicht, dass Gott nicht existiert, ich glaube einfach überhaupt nichts.

Ich weiß, dass sich die frühen Menschen auf Götter berufen haben, wenn sie Naturereignisse nicht verstanden haben, vor allem wenn diese eine Katastrophe auslösten, schien der Gedanke, es sei eine Strafe eines Gottes, für etwas dass jemand getan hat, die Leute offenbar zu beruhigen.

Es ist wie mit dem Karma.

Wenn jemand ein schlechter Mensch ist, also nur auf sich selbst bezogen und anderen dabei auch noch schadet und diesem in zeitlich kurzem Abstand zu einer Tat etwas schlimmes passiert, dann reden wir gerne von Karma oder eben von “kleine Sünden straft der liebe Gott sofort”.

Ich denke aber, dass das was wir gerne dem Karma zuschreiben, meist eine selbsterfüllende Prophezeiung ist. Das heißt entweder der Karmageplagte hat sein Unglück selbst verursacht, oder das Unglück wäre ohnehin eingetreten und es kam nur zeitlich zusammen. Das ist nicht immer Ursache und Wirkung. Manchmal sind das nur zeitnahe Zufälle.

Es ist aber so, dass Menschen, die sich der Wissenschaft zu wenden, den beweisbaren Dingen, wissen, dass nicht erklärbares nicht göttlichen Ursprungs ist, sondern einfach nur unsere derzeitigen Fähigkeiten übersteigt es zu erklären.

Die Physik ist voller Theorien und es gibt in der Welt der Physik, daher auch Anhänger der Theorien, die diese auch teilweise mit religiösem Eifer verteidigen. Fakt ist jedoch, dass Theorien nicht bewiesen sind und daher jede möglicherweise stimmt oder nicht. Viele der Theorien sind sogar definitiv nicht korrekt, aber sehr sehr nah dran.

Das wissen wir weil die Theorien auf der Realität der uns bekannten physikalischen Gesetze basieren. Und Physiker wissen, dass die Theorie nur einen Teil dieser Realität abdeckt. Man forscht weiter an der sogenannten Weltformel, die eigentlich Universalformel heißen müsste. da sie ja alles im Universum mathematisch in Einklang bringt.

Ich habe auch eine Weile gebraucht um zu verstehen, warum dies so wichtig und gleichzeitig sensationell wäre, würden wir diese Formel erlangen.

Eine Formel, die sich auf jedes Quäntchen Materie im Universum anwenden ließe gäbe uns ungeahnte Möglichkeiten, in der Berechnung von Flugbahnen von Meteoriten. In der Identifizierung echter Erdzwillinge (also Planeten auf denen Menschen wirklich leben und atmen können). Und auch sonst hätte es einen immensen Einfluss.

Stellt euch vor wir wüssten von jedem Beben und den darauffolgenden Zunami schon vorher, weil ein Supercomputer mit allen geologischen und meteorologischen Daten gefüttert eine 100% Vorhersage machen kann. Wir hätten längst alle evakuiert bevor die Gefahr eintritt.

Und bei allem was uns die Physik und alle anderen Naturwissenschaften bereits an Antworten geliefert haben, wer braucht da noch einen Glauben? Ich muss nicht mal an mich selbst glauben, auch wenn sowas gerne von Motivationstrainern heruntergebetet wird. Ich kenne mich selbst am besten und weiß was ich kann. Ich muss nicht daran glauben, dass es ich kann, wenn ich es weiß.

Und alles was ich nicht weiß, muss ich einfach nur ausprobieren.

Hat uns der Glaube nicht oft sogar von Dingen abgehalten. Weil wir glaubten etwas nicht zu können ohne es je probiert zu haben.

Was jenseits unserer Vorstellungskraft liegt, ist nicht übernatürlich oder göttlich, Es ist nur übermenschlich und wenn man sich selbst nicht für die Krone der Schöpfung hält, ist dieser Gedanke gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

Man kann sich aber sicher sein, dass man mit 2 Drittel aller Menschen in eine theologische Grundsatzdiskussion eintritt, wenn man jegliches Glaubenskonstrukt ablehnt.

Glaube ist für mich etwas dass nur emotional funktioniert. Weil es auch schöner klingt als gegenseitige emotionale Co-Abhängigkeit 🙂 (das wäre Liebe auf wissenschaftlicher Basis).

Aber am Ende des Tages glaube ich an nichts. Ich weiß Dinge und ich weiß Dinge nicht.

Und manches, dass über unsere Vorstellungskraft hinausgeht, will man gar nicht wissen, weshalb man lieber an einem unrealistischen Glauben festhält, der längst widerlegt wurde.