Über die Schrecken des Erwachsenwerdens

Es gibt 2 grobe Unterteilungen für Eltern, diejenigen, die ihre Kinder nach den gesellschaftlichen Idealen großziehen, weil sie die Welt mal besser machen sollen und diejenigen, die ihren Kindern nichts vormachen.

Das ist wie gesagt nur eine grobe Einteilungen und es gibt auch einiges dazwischen. Und für diese beiden Erziehungsstile gibt es dann wiederum 2 mögliche Ergebnisse wenn die Kinder ins Erwachsenenleben eintreten.

Die Kinder von Realisten enden entweder ohne Zukunftsperspektive und sind der klassische Fall, derer über die wir im AssiTV nur den Kopf schütteln können oder aber sie sind erst recht übermotiviert, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und so werden aus den Kindern realisitischer Eltern manchmal dann wiederum idealistische Eltern.

Bei den Kindern von Idealisten sieht es ähnlich aus. Besonders gut zu beobachten ist, dass wenn man mehrere Kinder hat. Oft sind diese als Erwachsene wie Tag und Nacht.

Nun kommen wir zu dem Punkt des Erwachsenwerdens. Für die Kinder realistischer Eltern ist dieser Punkt vermutlich mit wenig Überraschungen verbunden. Aber wenn man mit Idealen groß wird, dann ist es eine harte Landung.

Ich bin 35 und habe das lange hinter mir, aber ich weiß noch wie hart diese Landung für mich war. Es hat mich in Depressionen gestürzt. Mein Mann wurde realistisch großgezogen und er wurde das, was Realisten gerne abschätzig als Weltverbesserer bezeichnen. Aber er war genau das, was ich brauchte. Er holte mich aus dieser Depression wieder raus.

Andere haben da weniger Glück, aber dass ist eine andere Geschichte.

Immer wieder ertappe ich mich selbst dabei, ob der schockierten Erzählungen junger Erwachsener, den Kopf zu schütteln und mich zu fragen, ” was habt ihr den erwartet?”, dann fällt es mir wieder ein, dass es mir genauso gegangen ist.

Ich wurde zu einem Menschen erzogen, der weder Rassismus, Sexismus oder Homophobie kennt (meiner Meinung nach die 3 größten Baustellen unserer Gesellschaft). Für mich waren diese Ideale selbstverständlich, bis ich erwachsen wurde.

Als Frau wurde ich schnell mit Sexismus konfrontiert. Aber auch der Rassismus und die Homophobie begegneten mir oft im Alltag. Ich war schockiert, wie es junge Erwachsene mit Idealen immer wieder sind.

Winston Churchill wird der Ausspruch “als Jugendlicher muss man ein Kommunist sein” zugerechnet. Keine Ahnung ob er es je so gesagt hat. Aber es stimmt natürlich für viele. Man wird ausgestattet mit großen Idealen in die Welt geschickt und dann kollidiert unsere Vorstellung mit der Realität.

Wie wenig Verständnis wir für diesen Konflikt der Jugend haben, kann man in den sozialen Medien immer wieder verfolgen.

Aber heute weiß ich, ich bin stolz auf die Menschen in meinem Umfeld, die sich ihren Idealismus erhalten haben, auch wenn manchmal eine Prise Realität dazukommen muss, um in dieser Welt zu überleben.

Aber wenn man es schafft durch die Schrecken des Erwachsenwerdens seinen Idealismus zu erhalten oder sogar erst zu erlangen, dann sind das genau die Menschen, die wir brauchen um eines Tages vielleicht doch eine bessere Welt für unsere Kinder zu hinterlassen.